gewöhnlich_ungewöhnlich

wer hat etwas davon?

In integration am Mai 7, 2011 um 20:27

Ihr habt ein Integrations-Staatssekretariat eingerichtet. Ihr habt von mehr Sensibilität in der Asyl-Frage gesprochen. Ihr habt das Wort „Leistung“ als neuen Leitbegriff ausgesucht. Ihr habt euren neuen Staatssekretär dutzende Male betonen lassen, dass die deutsche Sprache der Schlüssel zur Integration und Voraussetzung für die Einwanderung ist. Ihr habt mehr Zuwanderung von qualifizierten Menschen gefordert. Ihr habt verlangt, dass MigrantInnen arbeiten gehen. Ihr habt unendlich oft wiederholt, dass Recht Recht bleiben müsse.

Lamin Jaiteh hat sich mit 16 aus Gambia über das Massengrab Mittelmeer bis in die Tiroler Berge durchgeschlagen. Lamin Jaiteh hat in vier Jahren ausgezeichnet deutsch gelernt – besser, als die meisten ZuwandererInnen erster Generation, von denen ihr nur ihre Arbeitskraft wolltet. Lamin Jaiteh ist begabt in einem Bereich, in dem nicht viele Menschen begabt sind: in der Kunst. Er darf sofort in einem Atelier arbeiten, wenn ihr ihn bleiben lasst. Lamin Jaiteh hat Tirol in den letzten vier Jahren zu seiner Heimat gemacht. Das war den Behörden aber egal, für das Ansuchen um humanitäres Bleiberecht habt ihr auf Grundlage seines Integrations-Stands von 2007 festgemacht.

An ihren Taten sollt ihr sie messen: Am Montag entscheiden die BeamtInnen im Innenministerium über zwei Dinge: Erstens, über die Glaubwürdigkeit des sensibleren Kurses der ÖVP in der Asylpolitik und im Umgang mit bedrohten Menschen. Und zweitens – das ist momentan oberste Priorität: Darüber, ob es diese Republik sich leisten kann, Menschen wie Lamin Jaiteh ihrem Schicksal zu überlassen und den Kopf vor den Problemen auf der Welt in den Sand zu stecken.

Wenn ihr Lamin Jaiteh in die Schubhaft steckt, in den Flieger zerrt und ihn zurück nach Gambia zwingt, hat diese Geschichte nur VerliererInnen. Cui bono? Wer hat etwas davon?

Hier geht’s zur Petition für alle, die eine halbe Minute opfern wollen, um sich für Lamins Bleiberecht stark zu machen.

  1. [...] sein sollen. Eingeschlichen, um die Unterwanderung unseres Landes weiter voranzutreiben. Ich hab so einen jungen Mann kennengelernt und seine Abschiebung begleiten müssen und mit mir Hunderte andere, die dem rechten [...]

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